Mit Rollen wie Elias Adler in Schlafes Bruder (1995) oder Kaspar Hauser (1993) brannte sich André Eisermann in das Gedächtnis des Publikums ein – Charaktere von enormer emotionaler Wucht. Nun bringt er gemeinsam mit dem Pianisten Jakob Vinje eine „Spoken Word Performance“ von Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ auf die Güstrower Bühne: zu erleben am 26. September um 19.30 Uhr im Ernst-Barlach-Theater. Eric Buchardt sprach mit ihm über verletzliche Helden, die Sehnsüchte von damals und die Parallelen zur heutigen Social-Media-Welt.

Herr Eisermann, Sie haben in Filmen wie Schlafes Bruder oder Kaspar Hauser sehr extreme Charaktere gespielt, die an ihren Gefühlen zerbrechen. Ist Werther für Sie der logische emotionale Verwandte dieser Figuren? Ja. Wir alle tragen etwas von ihnen in uns. Man muss selbst kein Selbstmörder sein, um Werther zu verstehen, aber man muss diese Gefühle zutiefst nachempfinden. Ich lese diesen Stoff nicht einfach nur ab, ich muss ihn leben. Seit 27 Jahren spüre ich bei jedem Auf-tritt, wie zeitlos diese Themen sind. Wenn man sich wirklich auf den Text ein-lässt, wird die Literatur zur Realität.

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