Helmut Zierl – Kritiken

KÖLNER STADTANZEIGER

Autobiografisch, packender Soloabend:

Helmut Zierl bei Lit.Eifel – Drogen, Led Zeppelin und Theater

„Follow the Sun“: Helmut Zierl.
* Von  Thomas Schmitz, 09.11.21, 13:46 Uhr,  Bad Münstereifel –

In Zeiten von Spotify-Playlisten ist es ein herrlicher Anachronismus: das Mixtape. In einer Welt, in der Millionen Songs nur einen Mausklick entfernt sind, ist das Mixtape mit Bedacht zusammengestellt – und das alles mit der Absicht, etwas Bestimmtes auszudrücken. Meist waren es Jungs, die mit der Songauswahl auf einer sorgfältig bespielten Chromdioxid-Kassette ihrer Angebeteten ihre Liebe gestehen wollten.

Helmut Zierl, der am Freitagabend in der Aula der Fachhochschule für Rechtspflege in Bad Münstereifel mit seinem Solo „Follow the Sun“ gastierte, benutzte das Mixtape, um die Zuhörer mitzunehmen in diesen verrückten Sommer 1971, von dem die Geschichte erzählt. Das Jahr, in dem er wegen Haschischhandels von der Schule in der norddeutschen Provinz geschmissen wurde und infolgedessen der Vater, ein Polizist, den 16-jährigen Sohn auch zu Hause vor die Tür setzte. Was folgte, war ein Roadtrip – zunächst nach Brüssel, dann nach Amsterdam –, bei dem Zierl nicht nur die strahlende Sonne kennenlernte, um im Bild des nach einem Beatles-Songs benannten Buches zu bleiben, sondern auch die dunkle Seite des Mondes.

Von Brüssel nach Amsterdam: Autobiografischer Roman von Helmut Zierl

Zehn Jahre hat das Schreiben dieser autobiografischen Episode gedauert. Immer wieder hat der heute 67-Jährige das Manuskript beiseite legen müssen, weil ihn die Erinnerungen emotional so mitnahmen. Denn nach dem unterhaltsamen Auftakt in Brüssel, in dem der langhaarige Hippie Helmut Zierl in einer schrägen WG unterkommt, in der auch ein Clochard wohnt, und deren Mitglieder es mit der Zahnhygiene nicht so genau nehmen, zieht es ihn nach Amsterdam. Einer der Gründe war die brasilianische Schönheit Tirshata, eine Anhängerin der missionarischen Jesus People, in die sich Zierl Hals über Kopf verliebte und die er tatsächlich in Amsterdam wiederfand, wenngleich sie mittlerweile den Drogen verfallen war.

Ja, das Ende des rund 100-minütigen Abend war stellenweise harter Tobak. Der Led-Zeppelin-Hit „Stairway to Heaven“ hat den Schauspieler geprägt, wenn auch nicht unbedingt auf gute Art und Weise.

Wegen der Schilderung seiner Drogenvergangenheit habe unter anderem seine zwölf Jahre ältere Schwester vom Buch abgeraten, schließlich sei er doch der Saubermann des deutschen Fernsehens. „Aber mein Image war mir mein Leben lang egal“, verriet Zierl den Zuschauern.

Und so berichtete er, dass er im letzten Moment dem Heroin entkam, dass er Amsterdam in dem Sommer nie nüchtern erlebte („Ich war immer bekifft“) und dass er schließlich in einer Fixer-WG gelandet ist. Das Verfassen des Buches habe therapeutischen Charakter gehabt. Und das nächste Werk ist schon in der Mache. Diesmal geht es um die Zeit auf der Schauspielschule.

„Ich habe Glück gehabt“

Schauspieler Helmut Zierl las für die Lit.Eifel aus „Follow the sun“ und gab tiefe Einblicke in die drei Monate nach seinem Rausschmiss aus Schule und Elternhaus, die bestimmt waren von Drogen, erster Liebe und Musik

Bad Münstereifel – „Klack“ macht es, wenn Schauspieler Helmut Zierl auf die „Play“-Taste des guten alten Kassettenrekorders drückt. Der Sound von Led Zeppelin, Jimi Hendrix und Co. katapultiert die Menschen auf ihren Stühlen zurück ins Jahr 1971. Dem Sommer, in dem der Rosamunde-Pilcher-Hauptdarsteller mit Lieblings-Schwiegersohn-Format, Drogen konsumierte und auf der Reise nach sich selbst tief unter die Haut gehende Verluste verarbeiten musste. Die „Songs“ – wie er sie nennt – erinnern ihn an diese Zeit: „Es sind Songs, die uns damals beschäftigten und in Stimmung brachten.“

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