Wie Ulla Meinecke mit seit langem vertrauter Kapitänsmütze („für meine Contenance”) vor der rappelvollen Apostelkirchengemeinde steht, das hat Charakter. Mit anmutig roten Lippen wie einst Marianne Faithfull, ebenso tonnenweiser Persönlichkeit. Schon nach der ersten Zeile in Meineckes launig-philosophischer Betrachtung ”Schlendern ist Luxus” wird klar – ihre Stimme ist im Gegensatz zum Faithfull- Bass trotz gelegentlichem Raspelklang fast so jung geblieben wie in jener Ära, in der sie vor 50 Jahren von Udo Lindenbergs Büroleiterin zur charaktervollen Liedermacherin mutierte.
Dem frühen Förderer gilt gleich die Hommage ”Nichts haut einen Seemann um” – hier triggert Meinecke für Gitarrenklang-Akzente beherzt die Tasten ihres vertrauten Sidekicks Reinmar Henschke. Der sorgt an einer dreistöckiger Keyboardbatterie mit Hand und Fuß für Band-Feeling; es gelingt ihm, die Echo-Fallen des Kirchenschiffes zu umschiffen. Wir erleben Ulla Meineckes Humor und Lebensweisheit sowohl in Songs – in ”Zu alt” warnt sie „Mit mir zu reden ist wie Nekrophilie” – als auch in anekdotenreicher Moderation: Zum Text von ”Mein Tag” verfasst für Annett Louisan, ließ Reinmar Henschke eine schönere Melodie komponieren. Sie formt ihre Tierliebe in ”Bär”, ihre charmante Version von Gilbert O’Sullivans 1972er Hit ”Clair”. ”Wer will schon Becky Thatcher sein?” reflektiert Leidenschaft für Mark Twains Tom Sawyer, den sie einlas und vertonte.
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