Mit André Eisermann Goethe neu erleben
Ein emotional mitreißender Geschichtenerzähler wandelt in der „KulturScheune“ auf den Spuren des jungen Werther
Von Helmut Blecher – HERBORN. Bekannt wurde André Eisermann durch seine Darstellung des „Kaspar Hauser“ und seine überzeugende Wandlungsfähigkeit in „Schlafes Bruder.“ Am Sonntagabend war er zusammen mit dem Pianisten und Komponisten Jakob Vinje in der „Kultur-Scheune“ (KuSch) in Herborn zu Gast, um seine Spoken-Word-Performance zu Goethes Sturm-und-Drang-Meisterstück: „Die Leiden des jungen Werther“ zu präsentieren. Das Publikum wurde Zeuge einer emotional mitreißenden Literaturshow.
Vom Rummelplatzkind zum Charakterdarsteller
André Eisermann kommt aus einer Schaustellerfamilie. In München wurde er zum Schauspieler ausgebildet. In den Neunzigern nahm seine Karriere mit Filmen wie „Schlafes Bruder“ rasant Fahrt auf, aber die Liebe zur Bühne hat ihn nie verlassen.
Man kennt André Eisermann aus den 90er-Jahren, von den großen Kino-Erfolgen „Kaspar Hauser“ und „Schlafes Bruder“. Danach spielte der damals ohne Agent oder Agentin arbeitende Absolvent der Falckenberg-Schule an den Kammerspielen, am Bayerischen Staatsschauspiel und am Wiener Theater in der Josefstadt, schlug aber nicht wenige TV- und Film-Angebote aus und geriet etwas in Vergessenheit. Die Leidenschaft fürs Schauspiel hat das in eine Wormser Schaustellerfamilie hineingeborene Kirmeskind allerdings nie verloren. Am 17. Oktober spielt der 57-Jährige, am Klavier begleitet von Jakob Vinje, seine spoken word performance „Goethe – Werther – Eisermann“.
Er rezitiert Werther nicht. ER schlüpft in seine Haut.
Er erzählt nicht von seinen Liebesleiden. Er verkörpert sie.
Süddeutsche Zeitung
Rasender Rock`n Roll
Was für ein Ritt. Am Ende gab es stehende Ovationen.
Die Rheinpfalz
Liebe und Leid – eine zeitlose Angelegenheit
Liebe, Verzweiflung und Leid bedienen sich einer universellen Sprache, die zeitlos ist. Wann haben Sie das letzte Mal im Theater geweint?
Wenn Sie sich André Eisermanns „Die Leiden des jungen Werther“ anhören, könnte es passieren. Nach seinen ersten Auftritten konnte er es selbst nicht fassen: Teenies kreischen, heulen Rotz und Wasser, trampeln, applaudieren, fordern Zugaben. – (Berliner Zeitung)
André Eisermann wird zu Goethes Werther
Mit seinen ausladenden Gesten, dem unverhohlenen Hang zu Theatralik, ohne dabei in barocken Kitsch abzudriften, schaffte es Eisermann, der Geschichte einen modernen Anstrich zu geben, fast ist man verführt, das Wort „Rock’n’Roll“ im Zusammenhang mit Eisermanns entfesselter Performance in den Mund zu nehmen.
Auf der Bühne wird André Eisermann zu Goethes Werther und interpretiert die leidenschaftlichen Worte eines unglücklich verliebten Mannes mit einer Intensität, die ihresgleichen sucht. Den Text eines Verzweifelten trägt er auswendig mit einer stimmlichen Kraft vor, als habe er ihn selbst geschrieben und erzähle ihn gerade seinem intimsten Vertrauten. Durch die eigens für die Performance komponierte Musik von Jakob Vinje, der das Programm auf dem Klavier begleitet, empfindet man fast ein wenig Wehmut, wenn das Licht ausgeht und eine brillante Vorstellung ihr Ende findet. – (Wormser Zeitung)